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Donnerstag, 21. März 2013

Anna



Titel: Anna

Entwickler: Dreampainters Software
Publisher: Kalypso Media GmbH
USK: /
System: PC
Release: 21.09.2012


Heute möchte ich euch den Indietitel "Anna" vorstellen, direkt im Anschluss folgt ein kleines Reviewähnliches Posting zu "Dear Esther". Reviewähnlich deshalb, weil ich die beiden Spiele nicht wie üblich auseinandernehmen kann, ohne ihnen den Reiz zu nehmen, trotzdem sind sie gerade deswegen erwähnenswert, teilweise auch vergleichbar.

Dieses Gefühl habt ihr bereits in den ersten Augenblicken des Spiels- die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, ein kleiner Bach mit klaren Quellwasser läuft an einer alten, verlassenen Hütte vorbei.
Es wirkt alles so friedlich und idyllisch, kaum zu glauben, dass dies die Hütte ist, die andauernd in euren Alpträumen vorkommt. Wie seid ihr dorthin gelangt? Ihr habt das Gefühl, ihr hättet euch in Trance befunden, könnt euch nicht mehr an den Weg erinnern. Aber ihr wisst, dass diese Hütte unzertrennlich mit Anna verbunden zu sein scheint und dass ihr sie betreten müsst, um herauszufinden, wieso ihr immer noch an sie denken müsst. Und vor allen Dingen: was mit Anna geschah.




Schon hier drängen sich Vergleiche mit "Dear Esther" auf. Man stapft zunächst etwas ziellos durch den märchenhaften Hain, ohne eine wirkliche Ahnung, was zu tun ist. Dieses Prinzip setzt sich (wenn ihr es endlich in die Hütte geschafft habt), fort. Während ihr Rätsel löst, lasst ihr euch von der Story fortragen und habt eigentlich nicht das Gefühl, dass ihr spielt, sondern eher am Lagerfeuer zu sitzen und einer Geschichte zuzuhören. Anders als in Dear Esther habt ihr hier Handlungsspielraum, ein Inventar und könnt agieren. Trotzdem fühlt es sich nicht so an, wie ein Point & Click , vielmehr wie ein grotesker Traum, in dem ihr groteske Sachen tut und nicht wirklich wisst warum. Mein Vergleich zu "Dear Esther" ist nicht ganz stimmig, aber wer es schonmal gespielt hat, versteht schnell, was ich meine. Natürlich erfahrt ihr im Laufe eures Handelns immer mehr und die Puzzlestücke eures Gedächtnisses setzen sich schleichend zusammen. Eure Umgebung verändert sich genauso, wie eure Wahrnehmung.


Das Spiel spielt sich relativ klassisch aus der First Person, ihr habt ein übersichtliches Inventarmenü und die Möglichkeit, Dinge wie Kisten oder Bretter mit gedrückter Maustaste zu bewegen. Kombinieren könnt ihr natürlich auch, aufeinander, miteinander, übereinander. Hier komme ich mal zu einem großen Minuspunkt: Das suckt, aber sowas von. Teilweise ist es ziemlich überarbeitungswürdig, manche Dinge müssen öfter angeklickt werden, da man das Menü aus Versehen schließt oder nicht genau mit der Maus drauf klickt (dieses Problem zieht sich übrigens nicht nur durchs Inventar, sondern durch alle Gegenstände, mit denen ihr agieren könnt). Frustrierend- kann man aber für die kurze Spieldauer von max. drei Stunden noch hinwegsehen.
Die Grafik ist für einen Indietitel ganz schön, da gibts nicht viel zu meckern.


Bei der Spielatmosphäre habe ich oft den Vergleich mit "Amnesia" läuten hören und ich kann sagen: Der ist furchtbar fehl am Platz (es sei denn das Adventuregenre alleine rechtfertigt das plötzlich).
Anna möchte vielleicht mit seiner Gruselatmosphäre ein wenig daran anknüpfen, aber wo ich mir bei Amnesia wirklich in die Hose scheiße, hab ich für die Schockeffekte hier nur ein müdes Lächeln übrig. Verwirrt sein trifft es da besser, es ist aber nicht gruselig, sondern fühlt sich an, wie ein Teil von mir. Muss auch gar nicht anders sein, denn meiner Meinung nach muss "Anna" sich gar nicht mit dem Gruselfaktor rühmen- den braucht es gar nicht. Es ist etwas, als würde man Lovecraft lesen, man bekommt halt eher ein flaues Gefühl im Magen.

Wichtig: Bevor jemand Zehn Tacken für das Spiel bezahlt und mir anschließend seinen Monitor in die Fresse wirft: Das Spiel wartet mit 3 möglichen Enden auf, wovon das erste nach bereits einer Dreiviertel Stunde Spielzeit erreicht wird. Also immer schön speichern, bei dem letzten seid ihr mit gut 3-4 Stunden gut bedient. Vielleicht sogar noch ein wenig länger.


So... die Rätsel, ja die lieben Rätsel. Die machen Spaß, da vollkommen dämlich. Teilweise würde man auf diesen Schmarrn nie kommen, hier hat sich der Entwickler wohl eher gedacht: Hauptsache möglichst sinnlos, damit es schwerer wird (Wer kommt auf die Idee, ein gemaltes, pochendes Herz in den Ofen zu legen?). Nein wirklich- die sind wirklich furchtbar bescheuert und ich hätte jedes andere Spiel verrissen, in dem die Rätsel so dämlich gemacht sind. Aber da "Anna" auch durchaus irgendwie noch was hat, wenn man ab und an in die Lösung guckt (hier ist irgendwie nicht der Weg das Ziel), bleibe ich milde. Die brauchts irgendwie nicht. Aber seltsamerweise kann ich "Anna" auch irgendwie nicht als richtiges Spiel einstufen, eher als interaktiven Roman.



Alles in allem echt nett und auf unerklärliche Art und Weise...fesselnd. Man denkt da in der Tat ein wenig drüber nach und muss es auch relativ zügig weiter spielen. Aber trotzdem ist es nicht so Mind-fucking wie "Dear Esther" oder auch nur Ansatzweise so Alptraumverursachend wie "Amnesia". Einfach nett. Spielt es, anstatt ein Buch zu lesen, im Dunkeln mit einem Glas Wein.
Kann man richtig gut machen.

+ fesselnde Atmosphäre
+ richtig guter Spielfluss
+ tolles Storytelling
+ Schöne Optik
+ klasse Spannungsaufbau
+ drei Enden



- Schlecht programmiertes Inventar
- bizzare und unlogische Rätsel
- nur in englischer Sprachausgabe erhältlich
- zwei von drei Enden nach sehr kurzer Spieldauer





(Bilder Kalypso Media GmbH, all rights reserved)

Montag, 21. Januar 2013

Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin



via Gamestar.de
Titel: Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin (Sherlock Holmes Nemesis)
Entwickler: Frogwares
USK: 6
System: PC / X-Box 360
Release: 16.11.2007

Endlich. Nach mehrwöchiger Frustration haben wir den Fall geknackt. Und glaubt mir, es ist lange her, dass mich eine Spielefigur dermaßen in den Wahnsinn getrieben hat. Doch Hass ist bekanntlich einer der besten Motivatoren und so haben wir diesen galanten, in Reimen sprechenden Franzosen schließlich endlich zur Strecke gebracht, auf das er England hoffentlich nie wieder an der Nase herum führen wird!

Wie die empathischen unter euch bestimmt schon findig festgestellt haben, schwingt in meinen Worten eine gewisse Frustration mit. Das mag stimmen. Liegt mitunter daran, dass das Spiel mich wirklich an meine Grenzen gebracht hat, der Notizblock irgendwann nichts mehr brachte und mein Gatte und ich uns des öfteren mal in der Komplettlösung verirrt haben (und ooooh nein, wer denkt, dass diese eine große Hilfe ist, liegt sowas von falsch, falsch, falsch.). Ich weiß nicht, ob es denjenigen besser gelingen mag, die die Pastiches von Leblanc gelesen haben, aber ich bin durchaus recht fit in P&C Adventures, trotzallem haben mir die Rätsel teilweise schamlos in die Fresse getreten.

via Computer-Bild
Wir beginnen unser Abenteuer wie immer in der Baker Street 221b. Dort erhaltet ihr einen Brief, in dem ein gewisser Arsène Lupin euch davon berichtet, in den nächsten Nächten Raubzüge quer durch London zu veranstalten. Da ihr eine findige Spürnase besitzt, schließt ihr schnell daraus, dass sein erstes Ziel die National Gallery sein wird, also macht ihr euch zusammen mit eurem treuen Freund Watson auf den Weg, diesen Frevel zu vereiteln. Was folgt ist eine Jagd durch die schönsten Schauplätze von London, bei der euch der wortgewandte Lupin immer wieder tückisch an der Nase herum führt.

Zu aller Erst: Jagd ist untertrieben. Mr. Lupin hinterlässt euch bei jeder kleinsten Spur einen äußerst hübschen Vers, der euch wiederum zur nächsten Spur führt. Die Rätsel sind durchweg sauschwer und ich bin teilweise auch nur durch Zufall darauf gekommen, oder musste eben nachgucken. Bei diesem Spiel werdet ihr wahrscheinlich ohne Notizblock nich überleben, also nehmt euch das Intro in dem dies erwähnt wird zu Herzen. Ihr werdet viel schreiben, nachdenken und fluchen.

via netzwelt.de

Die Zukunft ist neblig und nichts ist zu sehen.
Doch um diesen Weg ein Stück weiter zu gehen,
Musst folgen du meinen Geboten ein Stück,
Und suchen nach einem durchbohrenden Blick.- A.L.


Ha, wer meint, dass dies ein besonders einschneidendes Gedicht ist, der irrt. So geht das die ganze Zeit.
Irgendwann wird man so irre, dass man das Spiel nur noch weiterspielen will, um dabei zusehen zu können, wie dieser eingebildete Franzose endlich einen vor den Latz bekommt.

Zum Spieleprinzip: Ihr spielt in der klassischen First Person Perspektive, die Steuerung und die Menüs sind ähnlich wie im Nachgänger, nur gibt es hier kein Deduktionsbrett (braucht ihr auch nicht). Es wird zwar alles protokolliert, trotzallem müsst ihr wie gesagt, selber mitschreiben. Auch hier spielt ihr nicht nur Holmes, sondern ab und an Dr. Watson.
Letzteres ist in diesem Teil (wenn man die Vergleiche der Nachgänger hat) ziemlich frustrierend. Denn Watson ist in diesem Spiel vor allen Dingen eines: furchtbar dumpfbackig. Teilweise schlägt man wirklich die Hände über den Kopf zusammen und fragt sich allen Ernstes, ob der Gute nicht nachdenkt.
Er ist übrigens auch dafür zuständig, dass ihr gegen Ende das Spiel ins Game Over reiten könnt.
Ich wusste gar nicht, dass das möglich ist (zumindest war ich in den Nachgängern nicht so doof), aber ja, hier ist es möglich, deshalb seid stets weise, was eure Entscheidungen anbelangt.

via static2.fore.4pcdn.de


Was dieses Spiel teilweise echt fies macht, ist, dass ihr öfter Fragen gestellt bekommt, die ihr per Tastatur manuell beantworten müsst. Wer hier nicht richtig hinhört und sich in der Welt der Anagramme nicht zuhause fühlt, sollte die PDF mit der Lösung am besten direkt offen lassen.

Wo ich in den Nachgängern ausschließlich Lob für die Synchro übrig hatte, muss ich hier mal einhaken, auch wenn dies in den späteren Teilen besser wird: dieser aufgesetzte britische Akzent bei Watson ist nicht zu ertragen. Teilweise ist es so unfreiwillig komisch, dass sich Fetzen wie "Hooooolmesssssssssssss...!?" (ihr werdet verstehen) als Running Gag in unserer Altagssprache etabliert haben. Wirklich schrecklich. Dieser Watson ist leider nur dumm, platt und nicht in der Lage ordentlich zu reden. Zum Glück reisst Holmes das alles raus.

Ein absoluter Pluspunkt ist, dass ihr viel von London seht, teilweise könnt ihr euch das Sightseeing sparen.
Es ist auch wirklich nett gemacht, die Grafik lass ich wie immer beiseite (obwohl man es selbst heute noch ganz gut spielen kann, so schlimm ist es nicht). Die Charaktere mit denen ihr interagiert, sind durchweg nett gemacht und locken das ein oder andere mal ein schmunzeln hervor (ich verweise hierbei auf den Buckingham Palace, in dem eine gewisse Lady Leomunde euch mehr oder minder klar macht, dass euch alles "offen" steht... Flittchen ;))

via gamecaptain.de

Alles in allem kann man dieses Spiel allerdings nicht mit seinen Nachgängern vergleichen. Keine Leichen, keine Deduktionen. Schlichtweg Rätsel. Deshalb will es dem Spiel auch nicht recht gelingen, einen Spannungsbogen aufzubauen. Wo ich bei Jack the Ripper noch richtig mitgefiebert habe, kratzt das Spiel hier viel mehr an meinen Nerven und die Story ist auch weitestgehend mit einem Satz abgehakt.

Trotzallem- mir hat es gut gefallen, denn es hat meine Hirnmuskeln ordentlich qualmen lassen. Dennoch kann ich das Spiel wirklich nur besonders Rätselfreudigen Menschen empfehlen, weil es eine einfache Schnitzeljagd ist. Nicht mehr, nicht weniger. Und leider muss ich sagen, dass die Nachfolger wesentlich mehr Pfeffer im Arsch hatten und dieser Teil von daher eher schlechter abschneiden muss.

+ Sightseeing durch London
+ schöne Schnitzeljagd
+ Unterhaltsame NPCs
+ Schöne Anspielungen des Entwicklerteams
+ man muss richtig aufpassen, Zettel und Stift von Nöten

- Kein Wechseln in die Third Person möglich
- Watson (!)
- Lösungen sind nur nach einem bestimmten Muster möglich,  wer eher drauf kommt, hat schlichtweg Pech
- Sauschwere Rätsel
- Einfache Story
- fehlende Spannung





So, und hier dann noch das Batman "Easter Egg"

Montag, 24. Dezember 2012

Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper



via http://no-limit-games.de

Titel: Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper
Entwickler: Frogwares
USK: 12
System: PC / X-Box 360
Release: 20.03.2009


Pünktlich zu Weihnachten melde ich mich mit einer neuen Review zurück, denn es ist noch ein wenig Zeit, bis ich die Reise zu den Familienfeiern antrete. Und vielleicht findet sich ja so noch die ein oder andere Idee um sich selbst zu beschenken?

Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich zur Zeit ziemlich angefixt von unserem Meisterdetektiv Sherlock Holmes, und unser tolles Steampaket mit allen Teilen der Reihe verführt uns gerade ziemlich dazu, rückwärts zu spielen. Angefangen hat die Leidenschaft für die Titel mit dem letzten Teil von Sherlock Holmes, "Das Testament des Sherlock Holmes", dessen ausführliche Review  hier zu finden ist.
Nun war der Vorgänger dran.

"Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper" ist ein Titel, der sich nahtlos in die Reihe einfügt und behandelt die Geschichte rund um die bekannteste aller Mordserien in der Buck's Row, die Geschichte von Jack the Ripper. Zur Seite steht euch wie immer euer treuer Doktorfreund Watson, der sich auch in diesem Teil mal wieder gehörige Sprüche von seinem "Partner" drücken lassen darf.

Euer Abenteuer beginnt in den düsteren Gassen von Whitechapel, in jener sagenbehafteten Buck's Row, in der die Leiche der Prostituierten Polly Nichols zermetzelt aufgefunden wird. Leider und wie so oft, findet euch Scotland Yard so ziemlich scheiße und bittet Euch, euch von dem Fall fernzuhalten. Doch Sherlock Holmes wäre ja nicht Sherlock Holmes, wenn er nicht andere Wege finden würde, um den Mörder zu jagen und schließlich und letztendlich handelte es sich bei der Aussage der Polizei ja lediglich um eine Bitte, nicht um einen Befehl.
via gbase.ch

Zusammen mit Dr. Watson, der kaum noch Zeit für seine Frau hat, macht ihr euch also in den wirren Gassen von London auf die Suche nach dem Whitechapel Mörder, geht jeden Hinweis nach und konstruiert mittels gestohlener Polizeiberichte und eurem fotografischen Gedächtnis die Tatorte. Hierzu steht euch das altbewährte Deduktionssystem zur Verfügung (wie im Nachgänger), Zeitleisten und eure Notizen.
Leider seid ihr immer zur falschen Zeit am falschen Ort und wer die Geschichte von Jack the Ripper kennt, weiß, dass er leider nicht nur ein armes Flittchen ermordet hat, und so passiert es, dass die halbe Dirnenschaft von Whitechapel auf immer grausamere Art ums Leben kommt.
Sogar dem Meisterdetektiv wird es irgendwann zuviel und nur der Wein könnte es richten- hätte Watson nicht so einen schwachen Magen (bei dieser Sequenz grüße ich euch mental, denkt an mich).

via http://static1.fore.4pcdn.de

Das Spiel kann aus der First Person, aber auch aus der Third Person Perspektive gesteuert werden, letzteres ist allerdings- im Gegensatz zum Nachgänger, ziemlich schwierig, da ihr nur umständlich mit der Maus euren Zielort erklicken könnt. In den Menüs stehen euch nicht nur obengenannte Punkte zu Verfügung, sondern auch eine Inventarleiste und eine "Dialogbibliothek", die auch öfter, neben euren Notizen und gefundenen Dokumenten, als Beweismittel gewählt werden müssen. Alles in allem hat mir das etwas aufgeräumtere Menü vom Nachgänger besser gefallen, trotzallem gewöhnt man sich ziemlich schnell daran und so kompliziert ist es nun auch wieder nicht. Dennoch gebe ich vorab den Tipp, euch alles wirklich gründlich durchzulesen, denn ihr braucht irgendwann nahezu jeden kleinsten Hinweis.
Natürlich spielt ihr auch hier wieder abwechselnd Sherlock Holmes und Watson, was ziemliche Abwechslung in das Spiel bringt.

Womit wir bei den Rätsel wären: Diese sind wie immer ziemlich schwierig, jedoch kann man bei den meisten mit viel knobeln ohne einen Blick in die Lösung auskommen, was beim Nachgänger oft nicht der Fall war.
Trotzallem- teilweise stören die fehlenden Anleitungen und ab und an frustriert es einen ziemlich, denn Hinweise bezüglich der Lösung sind oft rar gestreut, wenn nicht sogar gar nicht vorhanden.
Dafür hält sich die Anzahl der verdammten Minispiele diesmal in Grenzen und man freut sich fast schon über kleine Puzzlemechanismen. Alles in allem hat man in diesem Titel einen wunderbaren Spielfluss und es ist Geschmackssache, aber ich freue mich sehr,  dass ich mich so mehr den Deduktionsaufgaben widmen kann.

via http://mediang.gameswelt.net

Über die Grafik brauchen wir ja nicht sprechen, das Spiel ist schließlich von 2009, allerdings ist sie ganz passabel. Was mich trotzdem stört, sind die immer wiederkehrenden Gesichtstexturen, die mich teilweise wirklich verwirren, aber mei, so war es halt damals und der Titel ist schließlich kein Triple A Game.
Dafür ist das düstere London ziemlich schön und detailliert gestaltet und die Grundatmosphäre ist wirklich toll.

Natürlich muss ich mich jetzt noch einmal über die tolle Synchronisation freuen- man merkt schon, dass hier ein professionelles Studio am Werk war und auch die Dialogwechsel stehen dem Nachgänger in Wortwitz und Dichte in Nichts nach. Wie ich mich einfach schrottlachen könnte, wenn ihr Watson wegschickt und er euch nach seiner Rückkehr DIE Nonplusultra Information verraten will, ihr im aber das Wort abschneidet und im besserwisserischem Tonfall sagt, dass ihr das natürlich "schon seit Tagen" wüsstet- obwohl ihr es selber erst fünf Minuten vorher erfahren habt. Teilweise sehen sich die Zwischensequenzen wie in einen Film und man hat nicht den Impuls, sie ständig wegzudrücken, im Gegenteil.

Alles in allem wieder ein toller Titel. Dennoch gibt es einige Abzüge, weil mir der düstere Nachfolger etwas besser gefallen hat, was wohl auch mit der FSK 16 zu tun hatte. Die Jack the Ripper Morde kamen um einiges entschärfter und fröhlicher daher und die Schwere vom Nachfolger hätte diesem Thema sicher auch gut getan. Wie auch immer, eine meiner größten Point & Click Empfehlungen. Wer gerne knobelt, ist bei der Sherlock Holmes Reihe mehr als bedient.



+ geniale Atmosphäre
+ schwierige Rätsel
+ dichte Storyline
+ astreine Synchro


- teilweise zu linearer Storyverlauf
- Schwer zu steuernde Third Person Perspektive
- Rätsel müssen oftmals in einer vorgefertigten Reihenfolge  gelöst werden

Samstag, 15. Dezember 2012

Das Testament des Sherlock Holmes


via netzwelt.de
Heute melde ich mich mal mit einer weiteren Spielereview aus meinem vorweihnachtlichen Winterwunderland zurück, indem ich nicht allzuviel Lust zum bloggen habe. Aber da die letzten Wochen wieder voller ergüsslicher Spieleerfahrungen vollgestopft waren, möchte ich euch gerne daran teilhaben lassen.

Wie ich ja bereits erwähnt habe, bin ich sehr großer Point& Click Fan und habe so langsam alles durch, was man in dem Bereich an guten Titeln bekommt ( Der Absolute Spitzenreiter bleibt hier immer noch Black Mirror, dicht gefolgt von The Art of murderer und Grey Matter). Dementsprechend skeptisch war ich, als mein Mann mit einem neuen Titel antanzte und dann auch noch mit Sherlock Holmes...


Ich gestehe, ich mag die Geschichten um den leicht authistischen Detektiv und seinem Sidekick Doktor Watson, aber auch nicht so sehr, dass ich jetzt in Jubelschreie hätte ausbrechen können. Die Verfilmungen waren mir zu wirr und habe ich mir auch nur wegen meiner abartigen Jude Law Schwäche gegeben, zumal ist das ganze Holmes Franchise ja auch mehr an eine jüngere Zielgruppe gerichtet.
Nichts anderes versprechen die ersten Minuten von "Sherlock Holmes: Das Testament des Sherlock Holmes", das dieses Jahr erschienen ist.

Wir befinden uns auf einem Dachboden und bewundern (leicht zurückgebliebene?) Kinder beim spielen. Diese finden ein altes Buch und beginnen zu lesen. Das Buch enthält die letzte Geschichte rund um den bekannten Detektiv Sherlock Holmes....

via consolplus.de

Bis dato riss es mich nicht vom Hocker, da ich schon wieder einen Disneyfilme ähnlichen Titel erwartet habe, aber schon nach ein paar Minuten, nachdem das erste Rätseltutorial abgesegnet ist, zieht mich das Spiel in einen unglaublichen Bann...
Durch das Tutorial, euren ersten Fall, indem ihr eine verschwundene Halskette sucht, könnt ihr euch noch wunderbar durchklicken und lernt dabei ein wenig den Umgang mit dem Menü. Neben dem üblichen Point & Click Gadgets wie den Lupen habt ihr auch ein sehr schönes Notizbuch, wo allerhand drinsteht.
Zudem bewegt ihr euch hier nicht wie in den meisten Spielen von Standbild zu Standbild, sondern habt eine Kamera wunderbar hinter eurem Kopf schweben, was dem ganzen einen Filmähnlichen Flair verleiht.
Im Laufe des Spiels wechselt ihr zwischen den Charakteren, was das ganze ziemlich angenehm und überraschend gestaltet.
Watson hat übrigens auch ein neues Deduktionssystem eingeführt, in dem ihr selber eure Hinweise kombinieren könnt um zu einer Schlußfolgerung zu gelangen- das ist nicht immer einfach, im Gegenteil, es ist teilweise sogar eher tricky.

Schon nach ein paar Eindrücken bin ich überrascht, denn ich liebe die kleinen Details, die Grafik ist zwar nicht der Bringer, aber wirklich nett anzusehen. Was mich jedoch am meisten beglückt hat, war die Tatsache, mit wieviel Liebe hier doch tatsächlich an die Synchronisation und auch die Dialogwechsel rangegangen wurde. Es ist wirklich herrlich, Watson und Sherlock bei ihren kleinen Reibereien zuzuhören und verleiht dem Spiel unglaublich viel Tiefe. Ich persönlich liebe es ja immer, wenn Zeit in die einzelnen Charakterrelationen gesteckt wird, aber hier hat man irgendwann tatsächlich das Gefühl, man würde die beiden kennen.
Und auch wenn Sherlock irgendwie so gar nicht dem Bild entspricht, was ich von ihm hatte, ist er erstaunlich gut umgesetzt und neuinterpretiert.

via metalalarcade.de
Nach dem Tutorial geht's ans Eingemachte. Eigentlich wolltet ihr nur den Bischof besuchen, dieser wurde aber bestialisch ermordet und so findet ihr anstatt einem quitschfidelen Gottesfürchtigen nur seinen rotzfrechen Diener (mir entfällt leider die geistliche Bezeichnung) und eine nicht so nett zugerichtete Leiche.
Da ihr euch mit Scotland Yard immer anne Köppe kriegt und die Schmierfinken von der Zeitung euch in einem nicht ganz so gutem Licht darstehen lassen, beschliesst ihr zusammen mit Watson, den Fall erstmal alleine zu lösen. Das Rätselraten beginnt, ihr nehmt Spuren auf, knackt Schatztruhen und erkundet die düsteren Gegenden von Whitechapel, wo nichtmal mehr die Kranken Platz zum Sterben haben...

So findet ihr nicht nur immer neue Hinweise, sondern werdet im Laufe des Spiels immer zwispältiger. Ihr beginnt zu zweifeln, an euch, an euren Figuren, an der Welt, bis ihr irgendwann nicht mehr wisst, was richtig und falsch ist.
Und ohne zuviel zu verraten- DAS hat das Spiel sowas von drauf. Ich habe lange keinen Titel mehr gespielt, in dem ich so viele WTF-Momente hatte. Teilweise ergeben sich nämlich Wendungen, mit denen man überhaupt nicht gerechnet hat: Man zweifelt, zweifelt mehr, wird in seinen Zweifeln bestätigt und kriegt dann nochmal einen fiesen Schlag in den Nacken.

via expert-technomarkt.de

Doch diese Verwirrtaktik steuert gut zur allgemeinen Atmosphäre bei- hingegen aller Erwartungen ist Sherlock Holmes' Testament vor allen Dingen eines: Düster, düster, düster und manchmal sogar ein bisschen ekelhaft. Das Spiel ist wirklich nicht umsonst ab 16 und manchmal musste ich auch ziemlich schlucken.
Auch wenn es manchmal wirklich süße Momente hat, zum Beispiel wenn man mit dem unglaublich putzigen und schwerfälligen Polizeihund Toby schnüffeln darf, bleibt es doch ein eher bedrückender Titel, der ab und an einen wirklich fahlen Beigeschmack hat.

Wie ich ja bereits sagte sind die Dialoge unglaublich scharf und grandios, aber auch die Story hinkt keineswegs hinterher. Sie ist dicht, durchdacht und vor allen Dingen eines- komplex. Genau wie die Rätsel- in Teamarbeit gelingt das meiste ganz ordentlich, jedoch kamen wir auch zu zweit auf manche Sachen nicht einmal ansatzweise.

via gamersglobal.de
Neben all diesen Dingen ist zu erwähnen, dass das Bild, das uns da von Watson und Holmes präsentiert wird, ein unglaublich gutes ist, wenn nicht sogar das Beste, was ich in dem Holmes-Universe je gesehen habe.
Sherlock ist natürlich wie üblich total scharfsinnig, daneben beinahe schon authistisch und kalt. Darüber hinaus ist er auf eine gewisse Art und Weise sogar ziemlich sexy.
Watson unterscheidet sich kaum von den üblichen Darstellungen, jedoch ist er allemal der Sympathieträger in diesem Spiel und man bekommt doch schon ein wenig Mitleid, wenn Holmes ihm zum dritten Male im selbstverständlichen Tonfall sagt, Watson soll die Leute bezahlen...

Nach alledem war ich so überrascht, dass wir direkt die Reihe geordert haben und jetzt mittlerweile schon an "Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper" sitzen, dem Vorgänger. Für mich wirklich die Spielesensation des Jahres und ich wage zu behaupten, dass das Spiel nicht nur für Fans des Point & Click Genres ein Muss ist, sondern sich auch die anderen Zocker mal dranwagen sollten, denn man würde echt was verpassen.

Ich persönlich habe nur Lob für diesen Titel übrig, einzige Minuspunkte sind ein paar undurchdachte Dialogszenen (ich hasse es, wenn man sagt, man solle leise sein und dann steht da ein schreiender Watson neben einem) und die Grafik, die ab und an einen Tickn besser hätte sein können.

Von daher von mir 9/10 möglichen Punkten.