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Dienstag, 14. Januar 2014

Sherlock Season 3- totgeglaubte Fangirls und ihr Afterword





via bms.co


So, dann wird es doch Zeit, dass ich dieses lange ungenutzte Blögchen wieder ausgrabe. Warum? Ganz einfach, die letzte Episode hat in mir einen nicht enden wollenden nonakustischen Schreikrampf ausgelöst, das kleine Psychopathen Fangirl in mir sitzt fingernägelkauend in einer Ecke und sagt ihrem Alterego (ja, damit ist mein menschliches Ich gemeint), dass es unbedingt ihren Senf dazu geben muss. Hier sind wir nun.



(Nochmal an dieser Stelle eine dicke, FETTE Spoilerwarnung.)

Vorneweg: Das hier ist keine Review, sondern ein Afterword, meine Gedanken und dämlichen Theorien. Wer hier etwas gehaltvolles erwartet dreht am besten wieder um und liest sich die Kritiken von Serienjunkies durch.

"Everyone's a critic."
Womit wir schon direkt beim Thema sind, denn das liegt mir wirklich auf dem Herzen:
In was für einer gottverdammten Meckergesellschaft leben wir eigentlich? Ist jetzt abkotzen auf hohem Niveau das neue schwarz?
Seit Folge eins lese ich mir regelmäßig die Reviews durch und ich muss sagen, dass mir bei Moviepilot fast schon die Galle hochkam. Klar, ich gehe mit vielem D'accord. Die Staffel war ANDERS. Aber sie war trotzdem Fernsehunterhaltung auf astreinem, hochkarätigem Niveau, wie man sie nur noch selten antrifft. Da so rumzunörgeln finde ich schon teilweise frech, zumal ich bei sehr vielen Reviewschreibern den Eindruck habe, sie hätten nie mal einen Doyle in der Hand gehabt und auch die Folgen teilweise nicht richtig verstanden. Die Leute, die sich über die Innovativität eines "Elementary" freuen. Jap, danke, thx, but no thx.
Setzt euch doch einfach wieder auf die Couch, schaut eine Folge Good Wife und esst nen Keks.

Nein. Mich nervt diese Schwarzmalgesellschaft wirklich kolossal.
Diese Staffel ist anders, wie ich bereits sagte. Hauptfokus liegt hier auf der Charakterentwicklung, auf der Beziehung zwischen Watson und Sherlock, Watsons Verlust und der Widerauferstehung Sherlocks. Auf seiner Beziehung zu Mary und auf Sherlocks Einsicht, dass es vielleicht doch manchmal ganz nett ist, Leute in sein Leben zu lassen, die man gern hat. Freundschaft, falsche und richtige Entscheidungen. That's the point. Um nichts mehr geht es hier, und wenn ich ehrlich bin, habe ich als Sherlock Fan da sehr lange drauf gewartet, und besonders nach Sherlocks Rückkehr nach London nach seinem vorgetäuschten Tod war diese Sache von Nöten.
Wenn ich einen Krimi will, guck ich den Tatort. Aber ich habe die Protagonisten die letzten Jahre lieben und hassen gelernt und ich möchte sie verstehen. Macht nicht genau das eine Serie so rund?
Und tut genau das nicht einer Serie auch mal ganz gut?
Zumindest bin ich mir sicher, dass die Kritiker mal wieder am lautesten geschrien hätten, hätte die 3. Staffel nicht mehr zu bieten gehabt, als die vorherige.

via radiotimes.com

Klar, auch für mich hatte die Staffel gewisse Durststrecken. Die Fälle kamen mir zu kurz, was man besonders in der 2. Folge, the sign of three, zu spüren bekam. Das Directing in der ersten Folge "The empty hearse" war mir teilweise etwas zu verworren, zuviele Specialeffects die die Serie meiner Meinung nach nicht nötig hat. Doch dafür hatte sie viele witzige und schöne Momente, Momente, in denen ich gegackert habe wie verrückt, Momente, in denen mir fast die Tränen kamen und Momente, in denen ich fast nicht mehr atmen konnte. Und nennen wir den Hund doch mal beim Namen: DAS schaffen nicht viele Serien.
Angefangen von der wunderbaren Harmonie zwischen Benedict und Martin, ihm und seiner Frau und dem Rest des Castes, bis hin zu den knallharten Beziehungsdramen. Ich kann die Leute greifen und nach dieser Staffel kann ich es noch mehr. In meinen Augen tat es der Serie furchtbar gut, deshalb kann ich über die Makel hinwegsehen.
Und mal davon abgesehen: Die erste Folge war einfach für uns- für uns Fans. Ja ich bin etwas genervt, dass wir keine Aufklärung nach jahrelangem Rätselraten bekommen haben. Aber hätte uns irgendeine Theorie zufrieden gestellt (ich vertrete btw immer noch die Gummiballthese)? Nein. Insofern empfinde ich es als genialen Schachzug, das Fandom weiter grübeln zu lassen- und Bezug auf dieses zu nehmen. Mich erfreut es immer, wenn Serienmacher sich mit uns Fans beschäftigen, Fanfictions lesen und sich +18 Fanart anschauen (Bitte, Moffat und Gatiss, ich weiß, dass ihr in meinen Moriarty/Sherlock Sexträumen herumgeschnüffelt habt, warum sonst hättet ihr diese Kussszene drehen sollen?). Und wir haben soviel zurückbekommen, denn die ganze Folge las sich wie ein Tumblr Blog. Sorry, aber das ist mir tausendmal lieber als ein Kurt Sutter (und ja, ich liebe Sons of Anarchy) der seine Fans laufend per Twitter als Cunts betitelt und ihnen anbietet, seinen Schwanz zu lutschen.
Besonders gefreut habe ich mich übrigens über einen berauschten Sherlock. Leute, wer sich darüber aufregt, den sei auch diesmal wärmstens Sir Arthur Conan Doyle empfohlen, der wie wir weiß, Sherlock ebenfalls desöfteren zu Opium, Kokain und ähnlichen greifen lassen hat. Überhaupt mag ich die ganzen Kanonischen Anspielungen sehr, und wurde auch diesmal nicht enttäuscht.
Ein kleiner Wehmutstropfen war für mich allerdings das schnelle abhandeln von Sebastian Moran, da ich der Meinung bin, dass die Rolle noch weitaus mehr hergegeben hätte. Bei Magnussen dachte ich es zuerst auch, aber dazu komm ich gleich noch.

via cultfix.co

Ich mochte die Darstellung von Lars Mikkelsen unheimlich gerne, auch, wenn er für meine Verhältnisse ein wenig zu fies war. Ich meine, in Kamine pissen...ernsthaft? Denk an deine Marnieren, Charles, selbst Jim hatte dort nur einen Tee. Wie auch immer, gut porträtiert. Leider wurde er fast schon zu drastisch als neuer Super Bösewicht eingeleitet, nur um dann mir nichts dir nichts wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Schade. Aber manchmal muss man gewisse Türen schließen, um neue zu öffnen.

Mein persönlicher WTF Moment war eindeutig Mary Morstan. NIE hätte ich das gedacht, dabei habe ich mir heute nochmal die erste Episode der dritten Staffel angeschaut, und der Hinweis "Liar" hat ja schon ganz klar vermuten lassen, dass da was im Busch ist. Und wieder dachte ich, armer John, armer John. Und ich muss zugeben, dieser ganze Handlungsstrang, Sherlocks Nahtod im Mindpalace und sämtliche folgenden Mary-John Szenen haben mich unglaublich berührt, verdattert und mich bangen lassen. Nichtsdestotrotz wünsche ich beiden alles gute. Ich mag Mary nämlich und denke, Watson hat sein eigenes, seltsames Glück langsam wirklich verdient.

"Miss me?" Kommen wir nun zum Wahnsinn schlechthin, dem Moment, in dem mein Herzchen vor Freude aufgesprungen ist: #MoriartyLives!
Surprise, Bitch! Also wer hätte DAS nun erwartet? Ich habe noch vor ein paar Tagen meine Freundin beschworen, dass er unwiderlegbar tot ist. Tot, tot, tot. Und sollte das eine falsche Fährte sein, fahre ich persönlich auf meinen Inlinern Richtung UK, um Mofftiss den Kopf abzusäbeln.
Nun stellt sich die Frage: Wie kann das sein?

via cultfix.co

Ich habe nur ein paar persönliche Hinweise. Erstens: Moriartys Leiche, wo ist sie? Nie wurde sie erwähnt, deshalb gehe ich davon aus, dass Sherlock sehr genau wusste, dass er nicht tot ist. Zudem blickt er sich bei der Rooftop Szene immer wieder zu seiner vermeintlichen Leiche um, während er mit John telefoniert. Warum das? Warum dieses Telefonat, wenn der einzige Zuhörer längst tot ist? Oder hat er das alles nur gesagt, weil er eben genau wusste, dass Moriarty lebt? Warum ist er denn nicht einfach gesprungen, es hätte keinen Unterschied gemacht.

Ich denke nicht, dass Sherlock sich auf einen Deal mit ihm eingelassen hat, Nein. Aber ich glaube sehr wohl, dass Mycroft seine Finger mit ihm Spiel hat. Es existiert ein Fanfoto vom Dreh der ersten Folge, dessen Szene so in der ganzen Staffel nicht zu sehen war. Mycroft schüttelt Moriartys Hand vor dem St. Bart's. Wenn da mal der Teufel nicht buchstäblich im Detail steckt.

Ein weiterer Hinweis, dass dies keine falsche Fährte ist, ist folgender:
"Schaut euch die Credits BIS zum Ende an, das ist der einzige Hinweis, den wir euch geben werden."

In der Endszene sehen wir Moriarty, wie er leibt und lebt, kein Standbild wie in der vorherigen Szene, das durchaus jemand fälschen hätte können. Er scheint also tatsächlich zu existieren. Und bei Gott, ich hoffe, dass das wahr ist, denn nie hat mich ein Charakter im TV so gefesselt, wie der von Jim Moriarty. Ja, ich gebe zu, ich steh auf ihn. Ich bin Team Moriarty. Scheiß auf Sherlock, von mir aus könnte Jimmy alle killen und die restlichen Seasons übernehmen. ;)

Und nochmal zu guter Letzt: Es ist nicht möglich, dass Moran Sherlock an der Nase herum führt. Moran sitzt seit Folge Eins nämlich gut behütet als Terrorist hinter englischen Gardinen. Das war Moran, Moran ist abgehakt. Auch wenn ihr Leutchen lieber Moron verstanden habt (was ich anhand von Sherlocks Deduktionsgenuschel durchaus nachvollziehen kann), aber das war leider Gottes wirklich Lord Moran. Und der ist passé.
Und ich kann mich daran erinnern, dass im Kanon die Sache damit ebenfalls abgehakt war. Bösewichte sind also eigentlich, zumindest was die Hauptfiguren der Bücher angeht, keine mehr da, die Moriarty ersetzen könnten. Es sei denn, es wird auf die kleinen und die Pastiches zurückgegriffen, aber Arséne Lupin zum Beispiel will ich nun wirklich nicht sehen.





Tja, nun bleibt uns wohl nur noch eins: Hoffen, dass die nächste Staffel tatsächlich zu Weihnachten 2014 in den Startlöchern steht und hoffen, dass die lieben Leutchen uns nicht mal wieder furchtbar an der Nase herumführen. Aber nun, zumindest können wir dieses Jahr nun fleißig darüber diskutieren, wie MORIARTY seinen Tod faken konnte. Das ist doch auch mal was.

Mittwoch, 3. Juli 2013

Dexter 8.01- Der Anfang vom Ende




Wie lange habe ich der finalen Staffel von Dexter entgegen gefröhnt... jetzt ist es soweit, das Ende beginnt. Und es beginnt vielversprechend, wenn auch pessimistisch hinsichtlich eines Friede Freude Eierkuchen Abschlusses.


"Das sollte für uns beide sein." Exzessiv stöhnend zieht Debra sich die Line, die ihr Teilzeitgefährte für sie beide hergerichtet hat. Debra scheißt drauf. Sie wirft den Kopf in den Nacken, die Sonne scheint flach durch die herunter gezogenen Jalousien des abgeranzten Motelzimmers. Berauscht öffnet sie die Beine, scheinbar angetörnt von der Waffe ihres Begleiters, der sich noch um diverse Geschäfte kümmern muss, trotzallem noch Zeit hat über die kaputte, willige Brünette herüber zu steigen. Und nicht nur wir fragen uns: Ist das der Beginn des herbeigesehnten Endes?

Sechs Monate sind mittlerweile vergangen, seit LaGuerta von Debra erschossen wurde. Für einige scheint es die Erlösung gewesen zu sein, für andere der Abgrund. Angel ist mittlerweile wieder an Bord des Miami Metro Homicide Teams, da er es nicht auf sich ruhen lassen kann, dass Marias Mörder frei herumläuft. Würde er wissen, dass er sich nur umdrehen müsste. Wir alle wissen, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis alles herauskommt. Und vielleicht gibt es dann mehr, als eine Parkbank, die das Andenken an den ehemaligen Captain des Departments in Ehren hält.

Dexter scheint es im Moment richtig gut zu gehen, denn mit dem Tod LaGuertas haben sich sämtliche Probleme für ihn in Luft ausfgelöst- zumindest scheint es so. Niemand steckt mehr seine Nase in seine Angelegenheiten, niemand bringt ihn mehr in Verbindung mit dem Bayharber Butcher.
Vorerst. Wäre da nur nicht seine Schwester, zu der er seit Monaten keinen Kontakt mehr hat. Anrufe lassen ihn lediglich wissen, dass ihre Mailbox voll ist. Auch ein Besuch auf ihrer neuen Arbeitsstelle, für die Debra mittlerweile als Kopfgeldjägerin tätig ist, verheißen nichts gutes und geben kaum Informationen über ihren derzeitigen Aufenthaltsort. Seit Wochen war sie nicht im Büro, allerdings scheint es ihre Art zu sein- sie meldet sich, wenn sie arbeiten will, so war der Deal. Ihr letzter Auftrag ist ein Typ namens Andrew Briggs. Dexter macht sich also auf, seine verlorene Schwester zu suchen.




Du hast mich dazu gebracht, alles von mir aufs Spiel zu setzen, für das ich stand. Und ich hasse dich dafür.

Dexter hackt sich in den Kreditkartenaccount seiner Schwester, praktischerweise kommt er auch ziemlich schnell auf das Passwort, denn es ist, was es ist, ein- F-U-C-K-I-N-G-P-A-S-S-W-O-R-D.
Die Abbuchungen besagen, dass Debra ziemlich häufig in einem bestimmten Supermarkt in Fort Lauderdale einkauft- Dexter nutzt diesen einmaligen Anhaltspunkt und wird direkt Zeuge, wie sie und Andrew arschklapsend den kleinen Supermarkt betreten. Was folgt ist die ultimative Konsequenz der letzten Staffel: Debra macht ihrem Bruder unmissverständlich klar, inmitten von bunten Lebensmitteln, dass sie rein gar nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte. Denn er hat ihr alles genommen, was sie war, alle Werte, die sie vertreten hat, wurden ausgelöscht. Ein dramaturgischer Schlag in Dexters Gesicht und es scheint, als ob er das erste mal versteht, was wirklich in seiner zerissenen Schwester vorgeht.

Quinn, der mittlerweile was mit Batistas Schwester und Harrisons Nanny angefangen hat, tut indessen alles, um Debra unter der Hand mit Infos auszuhelfen. Ziel ihrer Recherche ist ein gewisser "El Sapo", den sie bei Schmuggelgeschäften mit ihrem Bettgefährten erspäht hat.
Da Quinn seine ehemalige Vorgesetzte nicht erreichen kann, gibt er kurzerhand Dex Bescheid, der sich mit Harrison an der Backe direkt auf die Internetsuche nach Debra begibt. Es stellt sich heraus, dass der zwilichtige Herr ein Auftragsmörder ist, der wahrscheinlich auf Andrew angesetzt wurde, was bedeutet, dass sich seine Schwester ebenfalls in Lebensgefahr befindet. Wenigstens weiß Dex dank Quinn, wo er suchen muss: laut ihm hat sich Debra das letzte Mal im Pink Motel aufgehalten.
Da allerdings die Nanny, die sich ja gerade mit Quinn vergnügt, sowie Quinn selber nicht ans Telefon geht, wird Harrison kurzerhand mit genommen.



Die Konfrontation im Hotel erweist sich als aussichtslos. Während Dexters Sohn auf dem Rücksitz des Wagens zurückgelassen wird, versucht Dex, ein letztes Mal seine Schwester von der drohenden Gefahr zu überzeugen, sie zu überreden, mit ihm zu kommen, zu reden und diesen Konflikt hinter sich zu lassen- doch leider interessiert es sie nicht, ob der Tod an ihre Moteltür klopft. Denn Debra ist bereits tot. Es gibt nichts mehr, was es wert wäre, nichts mehr, was ihr Leben lebenswert machen könnte. Und natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Andrew den Besucher, der ihm schon in dem Supermarkt aufgefallen ist, zur Rede stellt. Es kommt, wie es kommen muss, der Streit eskaliert und Dexter rammt Andrew nicht nur das metaphorische Messer in den Rücken.
Debra scheint nicht einmal mehr schockiert, sondern hysterisch resigniert, als hätte sie geahnt, dass es so kommen musste. Als hätte sie akzeptiert, dass Dexter in ihrem Leben nur eine Koexistenz mit dem Tod führen kann."Ich bin in der verfickten Hölle und das ist genau das, was ich verdiene. Aber du bist verloren. Mein ganzes Leben dachte ich, dass ich dich brauche. Das ich ohne dich nicht überleben könnte. Fuck. Fuck. Es war die ganze Zeit verfickt nochmal anders rum."

Da Debra den Mord der Polizei meldet, flüchtet Dexter um keinen Verdacht auf sich zu lenken. Der Schock- Harrison ist fort. Zum Glück findet er ihn unweit des Parkplatzes, umklammert ihn mit seinen blutigen Händen. Und schnell wird ihm klar- er ist es, der verloren ist.



Abseits der ganzen Ereignisse bekommt die Miami Metro eine neue Beraterin zugeteilt, Dr. Vogel, anerkannte Neuropsychiaterin, die das Department bei der neuen zu erwartenden Mordserie, bei dem den Opfern Teile des Gehirns sorgsam entfernt werden, mit ihrem Fachwissen unterstützen soll. Dexter fühlt sich von der Dame schnell belästigt, da diese ein scheinbar unendliches Wissen über Serienkiller zu haben scheint, somit auch über ihn. Und spätestens als diese Dexter beratend zur Seite zieht und von ihm seine Thesen zum vorgehen des Bay Harber Butchers haben möchte, dämmert es ihm. Und Dexter soll nicht falsch liegen, denn Dr. Evelyn Vogel krädenzt ihm sogleich alte Kinderzeichnungen von ihm- auf die Frage, woher sie die hat antwortet sie selbstsicher: "Du kannst mich nicht töten. Ich passe nicht in Harrys Code."

Ein gelungener, wennauch desillusionierender Staffelauftakt. Wir alle merken jetzt schon, dass Dexter unweigerlich auf den Abgrund zusteuert. Zu hoffen ist es- für ihn, für seinen Sohn und für seinen Vater. Und nicht zuletzt für Debra, die wahrscheinlich erst wieder Ruhe finden wird, wenn sie Dexter endlich hinter sich lassen kann. Zu wünschen wäre es ihr- denn auch uns als Zuschauer dämmert langsam, wer in dieser Serie wirklich verloren ist- und wer noch gerettet werden kann...


(Photo sources: ©Showtime, all rights reserved)

Donnerstag, 17. Januar 2013

Elementary- Und Sherlock wird zum Rockstar (CBS- Folge 1.01)


via stanforddaily.com
So...nun wird's wohl Zeit für meine Review, nachdem ich mir gestern die erste Folge zu Gemüte geführt habe. Vorab: Ja, ich finde die Serie nicht gut und ja, diese Review wird auch nicht gerade gut ausfallen, deshalb fange ich mit dem Positiven an.

Die Serie "Elementary" (CBS 2012) ist keinesfalls schlecht. Wer also durchschnittliche Krimikost sucht, ist hier mit bestens bedient. Die Serie ist recht unterhaltsam und ganz gut besetzt, Jonny Lee Miller (Sherlock Holmes) und Lucy Liu ( Dr. Watson) spielen ihre Rollen eigentlich sehr gut. Kann man gucken.
Da ich allerdings ein kleiner Sherlock Fanatiker bin und BBC mit ihrer wirklich brillianten Serie so vorgelegt hat, komme ich nicht umhin, zu vergleichen- und deswegen komme ich jetzt leider zu den negativen Punkten.

„Was ist es heute, Kokain oder Morphium?“
Die Serie hat bis auf die Namen und einigen Doylschen Anspielungen (Sherlocks Drogenkonsum, das Bienenzüchten, etc.) für mich rein gar nichts mit Sherlock Holmes zu tun. Zumindest nicht so, wie Holmes sich in meinen Kopf darstellt. Nichts. Ich kann natürlich nicht für alle sprechen und empfehle auch jedem "Sherlockianer" sich seine eigene Meinung zu bilden, aber ich kann damit absolut nichts anfangen.

via justjared.com
Aber ersteinmal zum Grundplot: Sherlock Holmes war seiner Zeit in London als Berater für Scotland Yard tätig, verfällt allerdings den Drogen und geht in die USA zum Entzug. Danach wird Holmes eine Betreuerin zur Seite gestellt, Dr. Joan Watson, ehemalige Chirurgin, die auf Geheiß von Holmes Vater darauf aufpassen soll, dass Sherlock brav bleibt.
Sherlock bewohnt nun eine Immobilie in New York, die seinem Vater gehört. Da dieser damit droht, ihn rauszuschmeißen sollte er nicht clean bleiben, nimmt er die Hilfe seiner schönen Therapeutin in Anspruch.
Holmes fühlt sich nur befriedigt, wenn er Fälle löst und da er es nur so schafft, den Drogen fernzubleiben, nimmt er seine Beratertätigkeit bei der NYPD wieder auf.
Gemeinsam mit Dr. Watson wird hier in dieser Folge ein Mordfall untersucht, bei der eine Rothaarige Frau ums Leben kam. Dank Sherlocks Spürsinn ist der Fall schnell gelöst und Watson und Sherlock beginnen langsam, Freundschaft zu schließen...

Schon bei dem Einspieler fällt auf, dass sich CBS hier und da ein wenig was von BBC gemopst hat. Die Grundstimmung ist ähnlich und wir sehen anstatt eines London Panoramas das von New York. Einfallsreich. Gut, das waren schon alle Gemeinsamkeiten.

via szwizec.com
Sherlock vs Elementary

via BBC

Was mich schon irritiert hat, war einer der ersten Szenen. Dr. Joan Watson betritt Holmes' Grundstück, vor dem Apartment angekommen, tritt eine tätowierte, verrucht aussehende Dame aus der Wohnung. Offensichtlich hat sie dort die Nacht verbracht. Nach ein wenig Geplänkel (nennen wir es soziopathische Flirterei, bei der allerdings direkt klar ist, dass sich meine Befürchtungen hinsichtlich einer Watson-Holmes Sexszene erfüllen werden) erläutert Holmes seine Abneigung gegen Sex, aber dass er ihn irgendwie braucht.
Und sorry- das ist für mich persönlich ein absolutes NO-GO.
Natürlich, ich habe mir das ein oder andere hinreißende Kopfkino beim lesen und "Sherlock BBC" gucken ausgemalt (seien wir mal ehrlich, so ging es bestimmt 80 % der weiblichen Zuschauer) aber- und hier kommt der Punkt- die Anziehung, die Holmes auf mich ausübt, macht genau das aus: das es eben Kopfkino bleibt.
Holmes ist für mich deshalb so interessant, ob jetzt literarisch oder verfilmt- weil er auf irgendeine Weise vollkommen asexuell ist, dem ganzen keinerlei Bedeutung zumisst. Nein, bei Holmes bezieht sich jegliche Faszination und Erregung auf den Verstand. Emotionen leihten nur fehl, und das ist für mich einer der Hauptkritikpunkte in der CBS Version: Ich will einfach keinen menschelnden Holmes.
Und er menschelt mir viel zu sehr, sei es schon, dass er sich für seine Fehler entschuldigt. Mir fehlt diese Arroganz, dieses Überhebliche. In dieser Version ist er einfach ein asozialer (nicht soziopathischer) Ex Junkie und viel zu unfreiwillig komisch.
Hätte er nicht den "Sherlock Stempel" hätte ich die Figur eventuell für gut befinden können, es ist ja auch ganz witzig, nur eben halt nicht....Sherlock.

via CBS
Watson und Sherlock in der CBS Version und bei BBC

via BBC

Kommen wir zu Watson. Mir missfällt zum einem dieses offensichtliche "Love Interest" Ding, zum anderen finde ich ihre Figur  (was nicht an Lius Darstellung liegt) viel zu platt. Und hier muss ich einfach den "Sherlock BBC" Vergleich stellen- wo in der BBC Version eine spürbare Dynamik zwischen den Protagonisten herrscht, fehlt es hier an allen Ecken und Enden. Für mich kommt da nichts rüber. Watson ist allenfalls schmückendes Beiwerk für den netten Holmes und ich befürchte, dass sie aus dieser Schiene nicht mehr rauskommt. Eine Megan Fox die anstatt Watson Dr. No heißt, wäre genauso interessant gewesen. Vollkommen austauschbar und irrelevant- zumindest in dieser Folge.

Last but not least: Der Fall an sich. Sorry, aber das wahr lahm. Anscheinend ist die NYPD tatsächlich etwas beschränkt, denn hätte man ein bisschen geschaut, hätte man bestimmt keinen Holmes für die Lösung dieses Falles gebraucht. Nicht einmal dieses doofe Handy. Mir als Zuschauer war schon von vorneherein klar, dass dieser dämliche Mann der Mörder ist, SOFORT! Mir fehlte da irgendwie.. der Aha- Effekt, alles vorhersehbar und nicht einmal Ansatzweise so gut konstruiert wie im BBC Vorgänger. Jetzt weiß ich auch, woher der CSI Vergleich überall kommt. Es ist irgendwie so banal, dass ich mir selber sage: Der echte Sherlock Holmes hätte sich bei der Bitte von Lestrade, sich um diesen Fall zu kümmern, erstmal den Bauch gehalten vor lachen und den Mörder wahrscheinlich schon nach zwei Minuten enttarnt. Bitte- Warum sollte sich so ein Genie mit so einem Scheiß befassen... da hab ich schon bessere Fälle in mittelmäßigen Fanfictions gelesen.

via CBS


Elementar- leider nicht, lieber Watson. Frau Conclusio sagt also: Auch wenn ich viel geschimpft habe, ganz nette Serie, die man sich durchaus antun kann. Als "Sherlock" Fan rate ich allerdings klar ab, denn man kann die Adaption kaum unvoreingenommen gucken (Gummipunkte wer's kann, ich reg mich nur auf). Für mich mal wieder ein klarer Fall von: Nur weil etwas amerikanisiert wird und ein höheres Budget hat, muss es noch lange nicht besser sein.
Liebe Amis- hört auf euch in Europa zu bedienen und denkt euch wieder selbst was aus- es gibt genügend herausragende Serien, die beweisen, dass ihr das auch könnt.



Donnerstag, 3. Januar 2013

"Brainy is the new Sexy."- Sherlock (BBC) Season 2



via 1.bp.blogspot.com

Alter Falter....ich schaff es immer noch nicht, gedanklich von der letzten Folge loszukommen, die ich gestern Abend gesehen habe. Mein Verstand arbeitet derart auf Hochtouren, dass ich Jim Moriarty heute Nacht durch meine Träume gejagt und die wildesten Theorien aufgestellt habe.
Aber fangen wir ganz von vorne an, den diese Staffel toppt die erste, die bereits saugut war, um Längen und ich war selten von einer Krimiserie so überzeugt. Eigentlich noch nie.

Die erste Folge dreht sich um die altbekannte Irene Adler (Lara Pulver), mit der jeder irgendwie schonmal in Berührung gekommen ist, der jemals eine Holmes Adaption gespielt, gelesen, oder gesehen hat.
Nur ist Irene in dieser Version eine Edel-Domina, die so allerhand kompromittierende Fotos und Informationen auf ihrem schicken Designersmartphone bereit hält. Natürlich würde sie diese Informationen nie nutzen, denn sie braucht sie lediglich als Lebensversicherung, lässt jedoch das Königshaus wissen, dass sie in eben diesen Besitz ist.
Und wer wird von dem allgegenwärtigen Mycroft Holmes hinzugezogen, um die Fotos zurückzubeschaffen?
Tausend Gummipunkte und ein aufrichtiges "Elementar", meine kleinen Watsons, es ist natürlich sein Bruder, Sherlock Holmes, Consulting Detective.
Es ist erstmal eine sehr irritierende Szene, wenn Watson und Sherlock die Wohnung /Arbeitsstelle der hübschen Domina betreten, denn diese rechnet natürlich bereits mit dem verschrobenen Lockenkopf und kleidet sich dem Anlass entsprechend- in Nichts (Lara Pulver dürfte den Truebies btw als Fairy Godmother bekannt sein).

via BBC

"Wenn ich nackte Frauen sehen will, leihe ich mir Watsons Laptop."
Schön, dass auch hier der Detektiv zunächst einen kühlen Kopf behält, auch wenn Irene alles daran setzt, ihn hormonell durcheinanderzubringen. Das Sherlock deutlich mehr Interesse an Irene hat, wird eigentlich erst im Laufe der Folge klar. Ob es umgekehrt genauso ist? Ich will euch dieses Späßchen nicht nehmen, dennoch verrate ich nicht zuviel, denn es ist allseits bekannt, dass Irene Adler für Sherlock Holmes "die Frau" ist, weswegen die Folge auch so schön bezeichnet wird. Auf jeden Fall lernt ihr in dieser Folge die andere Seite von Holmes kennen, und die hat mich frösteln lassen.
Ich bin ehrlich, ich habe lange keine Serie mehr gesehen, in den zwischen den Protagonisten sowenig passiert, aber trotzallem so eine knisternde Spannung herrscht, die in keinem 50 Shades of Grey dieser Welt zu finden ist. Wer Benedict Cumberbatch bis dato noch nicht verfallen war, der ist es spätestens nach dieser Folge, ich schwöre es.

via BBC

Und trotzdem ist alles so interpretiert, dass kein Bruch zwischen dem Roman Sherlock und dem Serien Sherlock entsteht, kein unnötiges, ekliges Gesulze, sondern kalte Analytik, die vielleicht von ein paar nicht bekannten Gefühlen durchzuckt wird. Auch hier verweise ich gerne auf ShAmy, auch wenn dies wohl eher das komödiantische Gegenstück zu dem Irene/Sherlock Pairing ist, doch auch wenn Welten dazwischen liegen, ist es der beste künstlerische Vergleich (so langsam glaube ich ebenfalls, dass sich Chuck Lorre von Sir Arthur Conan Doyle bezüglich Sheldon inspirieren lassen hat).
Wo wir gerade dabei sind- wusstet ihr, dass Dr.House an die Figur des Holmes angelehnt ist, und sogar die selbe Hausnummer, 221 b, besitzt? Vielleicht liege ich mit meinem Sheldon Cooper Vergleich gar nicht falsch.
Und nein, sein Name ist kein Anagram, leider hörts bei Sherloc Doope auf, ich habs bereits versucht ;).

Wie auch immer, ich liebe die Neuinterpretation von Irene und es ist Wahnsinn, wie eng sich die Serie an die Vorlage hält, sich aber immer wieder neu erschafft. Das Konzept wird stringent durchgezogen und so erkennt man zwar vieles wieder, bekommt aber trotzdem was neues serviert. So auch bei dem "Hund von Baskerville", bei dem die Grundstory zwar gleich ist, sprich, ein seltsamer riesiger Hund erschreckt die Bewohner des Moores, Baskerville jedoch hier kein Anwesen, sondern ein Millitärstützpunkt ist, in dem angeblich gruselige Genexperimente durchgeführt werden.

via BBC
Ich hab mich besonders über die Folge gefreut, weil ich gerade das Buch lese, und ich muss sagen, dass einem soviele Anspielungen auffallen, wenn man parallel liest. Unglaublich, wieviel Liebe die Produzenten da reingesteckt haben und es ist ebenfalls das erste mal, dass man Doyles Andenken nicht mit Füßen tritt, sondern ehrt.
Ich empfehle übrigens wirklich die parallele Lesung von Watsons und Sherlocks Blog (rechts unter Empfehlenswertes), vertraut mir, es wird euch ein Lächeln ins Gesicht zaubern und ihr nehmt etwas interaktiver am Geschehen teil. Zumal ist es einfach zum brüllen, Watson und Sherlock beim diskutieren zu lesen.

So, nun kommen wir zu der letzten Folge...ich kann eigentlich nicht viel sagen, ohne etwas vorweg zu nehmen, aber den Kennern gebe ich den Tip, dass es sich um das letzte Buch aus Doyles erster Schaffensperiode handelt, den Gamern gebe ich den Tip, dass es sich um den letzten Sherlock Holmes Titel von Frogwares handelt...Neugierig geworden? Selbst ich, die die ungefähre Richtung wusste, bin mir überhaupt nicht mehr sicher, wie, wieso und warum. Es hat mich einfach so im Regen stehen lassen. Wie gesagt, Alpträume, imaginäre Deduktionen.
Soviel sei aber gesagt, ihr lernt in diesem Staffelfinale den Oberschurken James Moriarty genauer kennen und ihr zweifelt an eurem Verstand, genau wie der Herr es wollte...

via BBC

Andrew Scott verkörpert Moriarty so genial, dass er in der Riege mit dem besten TV Bösewichtern locker mithalten kann. Er hat ein bisschen was von Denis O' Hares Interpretation von Russell Edgington aus True Blood, nur irrer, der Kerl ist einfach wahnsinnig. Und es macht unheimlichen Spaß, ihm zuzuschauen, denn ich liebe es, wenn Schurken nicht nur Schurken sind, sondern sie etwas unantastbares ausstrahlen, und sich so locker flockig auch mal mit ihren Erzfeinden zum Tee treffen, oder sich aber sichtlich geschmeichelt fühlen, wenn ihr Widersacher vor Gericht berichtet, er habe etwas besonderes zwischen Ihnen gespürt.
Dieses Blickeficken zwischen den beiden Erzrivalen Holmes und Moriarty ist einfach herrlich, eine Hass Liebe, wie sie größer nicht sein könnte, beide Verstände so verschmolzen, als würden sie korpulieren.
Homoerotik? Ja, irgendwie ein bisschen. Manchmal reizt es mich zu schreien: Hergott, nehmt euch ein Zimmer! Aber ich liebe es, und erst eine Flüsterdrohung, lächelnd in das Ohr eines anderen gehaucht, macht sie so wirksam. Daher auch meine ständige True Blood Assoziation. Das Böse ist halt einfach irgendwie Sexy. Ach, sorry. Grips war es.

via wikia.com
Nun ja, jetzt sitze ich hier, mit dem miesesten Cliffhanger aller Zeiten nagend in meinem Hinterkopf, und etwas traurig, dass ich mit kaum jemanden darüber diskutieren kann. Würdet ihr alle bitte meinen Stand aufholen? Ich brauche etwas, jetzt wo SOA in der Pause ist, ich brauche einen neuen Fall. Dringend! Sonst langweile ich mich zu Tode....

Dienstag, 1. Januar 2013

"I'm a high-functioning sociopath"- Sherlock (BBC) Season 1


via http://www.couchmonster.de
Frohes Neues Jahr, Bloggersphäre und guten Morgen...Mittag...whatever.
Und vollkommen im Holmes Wahn diese Tage. Nachdem ich im Moment immer noch dabei bin, diesen verdammten Arsène Lupin durch London zu jagen, blieb mir nebenher nicht nur Zeit, die Bücher zu verschlingen, mein Mann und ich nutzten auch die Katerstimmung um noch weiter in den Geschichten rund um den Detektiv einzutauchen (Diese Tage könnte man ja fast meinen, ich führe einen reinen Holmes Blog, aber glaubt mir, das wird sich in der nächsten Zeit ändern, wenn das Winterloch vorbei ist).
Und pünktlich zum Neujahr- man bedenke, wir sind halbtot und ab morgen muss wieder studiert werden- haben wir es geschafft, die erste Staffel der BBC Serie "Sherlock" durchzukriegen
.

Für gewöhnlich nehme ich ja jede einzelne Folge in meinen Reviews auseinander, aber da eine Staffel der preisgekrönten Serie (Gewinner eines BAFTA Award, zahlreiche Emmy Nominierungen) leider nur drei 90 Minütige Folgen umfasst und man diese meist an einem Tag wegguckt (ja, wenn man einmal tot im Bett liegt, wir werden ja auch nicht jünger), beschränke ich mich hierbei auf die Staffel und möchte sie eigentlich auch eher anreißen, als ausseinander zu nehmen.

Die Serie "Sherlock" spielt im modernen London, orientiert sich aber stark an den Romanen von Sir Arthur Conan Doyle. Wir knüpfen handlungstechnisch bei der ersten Begegnung von Dr. John Watson und Sherlock Holmes an, der einen Mitbewohner sucht, um sich die teure Wohnung in der Baker Street 221 b leisten zu können.
Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch)  ist "Consulting Detektive" (Hier geht's zu seiner Website), ein Detektiv auf Abruf, seines Zeichens Erfinder dieses Berufszweigs, und wird häufig von Inspektor Lestrade hinzugezogen, wenn die Polizei nicht mehr weiter weiß. Holmes ist Exzentriker, ein Genie, beiweilen ein wenig authistisch und strange, weswegen er von seinen Kollegen oftmals verspottet und als Psychopath beschimpft wird. Er hingegen sieht sich eher als "hochfunktionalen Soziopathen" und ihm ist es ziemlich egal, da er seine Mitmenschen eh als beschränkt ansieht, was er sie auch oft spüren lässt.
Im Gegensatz zur Romanvorlage bedient sich Holmes zur Lösung seiner Fälle moderner Techniken wie SMS, Mail und GPS. Zudem versucht er mittels tausender Nikotinpflaster vom rauchen loszukommen, da er es im modernen London als zu unpraktisch empfindet.
Während eines Falles, der Studie in pink, lernt er im Labor Dr. Watson (Martin Freeman) kennen, einen etwas resignierten Mann, der durch eine Schussverletzung in Afghanistan an einem Hinkebein leidet und den es nach London verschlagen hat. Sie beschließen, oder vielmehr Holmes beschließt, dass die beiden in eine gemeinsame Wohnung ziehen sollten, um die Kosten gering zu halten.
Da Dr. Watson Millitärarzt war, beschließt Holmes kurzerhand, Watson zu dem Mordfall hinzuziehen, da er mit dem von der Polizei eingeteilten Kollegen mehr als unzufrieden ist.
John Watson lässt sich zu Anfang mehr widerwillig herum schubsen, entdeckt aber ziemlich schnell, dass ihm die Gefahr gefehlt hat und nach einer irren Verfolgungsjagd, in Zuge dessen Holmes Watson davon überzeugt, dass sein Humpeln psychosomatischer Natur ist, beginnen die beiden Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten, Freundschaft zu schließen.
Im Laufe der Zeit beginnen die beiden also, Verbrechen gemeinsam zu lösen und langsam scheint es, als stecke der selbe Fädenzieher hinter all diesen. Der Name, den die beiden immer wieder zu hören bekommen, ist der von Jim Moriarty (ein brillianter Andrew Scott) und es scheint, als hätte London seinen neuen Oberbösewicht gefunden...
Watson beginnt, die Erlebnisse in seinem Blog niederzuschreiben (Hier entlang, Gentlemen).

Soviel zum Grundplot der ersten Staffel. Ich bin ehrlich, ich war anfangs wirklich sehr skeptisch, aber hauptsächlich, weil es mir nicht so richtig gefallen wollte, die Geschichte ins moderne London zu verlegen. Aber ich bin überrascht, denn diese Tatsache tut der Serie keinerlei Abbruch, im Gegenteil- es schafft ein völlig neues, schnelles Erzähltempo und gibt Doyles Geschichten wieder, ohne wie einer der zig Abklätsche zu wirken. Man ist gezwungen, viel mit zu denken, rasch zu kombinieren und zu folgern, Holmes irre Vorgehen zu verstehen, ohne dass es jemals langweilig wird.
Zwischendurch werden wir anhand von Textebenen Zeuge des nonverbalen Geschehens, wie z.B. Textnachrichten, Entcodierungen und Holmes' Gedankengängen, was das Erzähltempo nochmals unterstützt, ohne Nebenplots aufzureißen und sehr hip, unangestrengt und modern wirkt.

via BBC

Was mir besonders gefällt sind die Schauspieler. Anfangs konnte ich mit der Holmes Besetzung nicht allzuviel anfangen, denn er widerstrebt rein optisch meinem Bild, welches Doyle aufgebaut hat, dennoch überzeugt mich Cumberbatch unglaublich, denn seine Mimik ist genial. Auch Martin Freeman (vielen sicher bekannt aus "der Hobbit", oder "Per Anhalter durch die Galaxis") schafft es, Watson vollkommen neu zu erfinden ohne komplett mit der alten Figur zu brechen.
Holmes an sich gefällt mir als Antiheld ziemlich gut, ich finde ihn sogar ziemlich brilliant und eigentlich wurde mir verboten, den Sheldon Cooper Vergleich zu bringen, aber er ist eine düstere, asexuelle Mischung aus ihm und Dr. House- vollkommen unfähig, sich in Gesellschaften einzugliedern, genial, unnereichbar und attraktiv- was aber an meiner allgemeinen Soziopathenschwäche liegen mag.
Watson schafft es in dieser Serie- im Gegensatz zu vielen anderen Adaptionen- nicht wie der vertrottelte Handlanger zu wirken, sondern ist hier viel mehr eigenständig und fungiert oftmals als Übersetzer für das "doofe Publikum" und als Sympathieträger.
Die Dialoge sind schlichtweg fucking awesome, besonders die homoerotischen Anspielungen auf Watson und Sherlock, die von deren Umwelt kommen, aber auch die Sticheleien, der Wortwitz und Holmes' vollkommenes Unvermögen, sich in gewisse Situationen hinein zu finden ("Das ist schon ewig her, warum sollte der Tod ihrer Tochter sie denn noch quälen?"-aus dem Gedächtnis zitiert und ohne Gewähr).
Sogar die deutsche Synchro tut dem keinen Abbruch. Und ausnahmsweise kann ich die jedem mal ans Herz legen, obwohl ich eigentlich eher für den O-Ton bin. Mein Englisch ist relativ in Ordnung, jedenfalls kann ich mir die meisten Serien angucken und versteh sie ziemlich gut, aber hier musste ich dann doch aufgeben, da Holmes teilweise so schnell spricht, dass ich es nicht verstehe und mir auch einfach das Vokabular fehlt (viele Fachbegriffe und britischer Akzent, weyhooo). Zudem ist die Synchro wirklich gut gelungen, im Gegensatz zu vielen anderen  Serien. Elementar!

via http://cdn1.screenrant.com

Alles in Allem ist es einfach eine wirklich geile Serie und ich bin jetzt schon traurig, dass ich sie morgen erstmal durch haben werde. Die ganzen Preise waren nicht umsonst und ich wundere mich fast, dass ich die deutsche Ausstrahlung der ARD nicht mitbekommen habe, denn es ist bisweilen die beste Krimiserie, die ich je geguckt habe und sie fesselt wirklich von Anfang bis Ende. Ich empfehle jeden, dort mal reinzuschauen, und selbst wem sie nicht gefällt, hat nicht viel Zeit verschenkt. Auf jeden Fall hat sie mich unglaublich zum lachen gebracht, so, dass ich nicht mehr atmen konnte. Das schafft selten jemand.

So denn, ich kuriere meinen fiesen Kater jetzt im Bett aus, wie viele von euch auch, und schaue die zweite Staffel. Vielleicht tut es mir ja jemand gleich, doch auch wenn nicht- schönes erholen und Pizza mampfen! Die Vorsätze gelten doch eh erst ab morgen. ;)